Mittwoch, 5. September 2018

Neues Ziel: Rügenrunde

Da der Tagestörn mit meinem Kollegen ausfällt, bescloß ich gestern (nach einem Blick auf die Wetterprognosen) eine Rügenrunde zu segeln. Der nächste Zielhafen ist daher Sassnitz. Mit einem 30 nm Etmal ambitioniert für die Whisky, aber machbar wenn der Skipper nicht verschläft. Also Wecker gestellt und früh los. Allerdings sind die Dieselvorräte durch das viele Motoren etwas knapp geworden. Deshalb biege ich noch kurz ab nach Kröslin zum Tanken.
Alter Leuchtturm auf dem Freesendorfer Haken
Zunächst geht es bis zum Böttchergrund unter Segeln. Dort muss ich mich entscheiden ob Sassnitz erreichbar ist oder ich Richtung Thiessow segel. Ich liege trotz Tanken gut in der Zeit und biege bei Tonne L12 in das Fahrwasser Richtung Sassnitz ein. Ab hier geht es Richtung NO wieder direkt gegen den Wind. Da relativ große Schiffe im Fahrwasser sind und es daneben tief genug ist, halte ich mich außerhalb vom Tonnenstrich.

Nach der Betonnung kann ich den Kurs leicht weiter nach Nord legen auf das Nordperd, der Wind kommt aber weiterhin zu sehr von vorn, also bleibt die Maschine bis zum Kap an. Danach kann ich Segel setzen und bis zum Stadthafen Sassnitz segeln.
Die Greif aus Greifswald - auch auf dem Weg nach Sassnitz
Unterwegs überhole ich das Segelschulschiff Greif (Rahsegler). Die Greif lag vor zwei Tagen noch in Wiek neben dem Sperrwerk. Zwischen Nordperd und Sassnitz liegen ca. 10 nm, die bei halbem Wind gut zu segeln sind.
Blick auf den Fährhafen Sassnitz (Mukran)
In Sassnitz werden die Liegegebühren nach der Boxgröße und nicht nach Schiffsgröße berechnet. Deshalb suche ich mir die kleinste Boxgröße aus - das macht es auch beim Festmachen angenehmer. Trotzdem touchiere ich etwas den Dalben und fange mir Kampfspuren ein, wie man auf dem folgenden Bild sieht. Das ist aber oberflächlich und läßt sich wegpolieren. Leider hat die Neptun 25 keine Scheuerleiste, die solch Ungemach verhindern kann. Der Rumpf ist nicht an der Deckskante am breitesten sondern tiefer, etwas unterhalb der Fenster.
Liegeplatz im Stadthafen Sassnitz
Heute gibt es keinen Fisch zum Abendessen, sondern ich besuche die Pizzeria im Hafen. Das Büro des Hafenmeisters musste ich erst mal suchen. Seit meinem letzten Besuch im Hafen ist er mitsamt Sanitärräumen 50 m nach links gezogen und über eine Außentreppe im ersten Stock erreichbar. Dafür ist aber alles neu und super in Schuss.
Sonnenuntergang in Sassnitz

Track Karlshagen - Sassnitz

Dienstag, 4. September 2018

Endspurt nach Usedom

Heute soll es nach Karlshagen auf Usedom gehen. Dann kann morgen der Tagestörn mit meinem Kollegen von dort starten. Vor der Klappbrücke nahe meinem Liegeplatz warten oft Yachten auf die Brückenöffnung. Manche machen auch vorübergehend an den Liegeplatzdalben fest. Ich bin gerade am ablegen und beobachte eine Yacht, die vor der Brücke kreist und deren Skipper die Dalben beäugt. Hoffentlich macht der nicht gerade hinter mir fest, denke ich noch. Aber es kam schlimmer. Die Vorleinen hatte ich schon los, die Fender abgenommen und hing mit Motorkraft noch an den Heckdalben, da spricht mich der Skipper an, ob ich ihm beim Anlegen in die Box neben mir helfen kann bzw. seine Leinen übernehmen kann. Das hätte er sich auch 10 Minuten eher überlegen können, denn so lange kreiste er schon. Dann bietet er schönstes Hafenkino. Anstatt bei wenig Wind einfach in die Box zu fahren, macht er seitlich am Dalben fest und versucht das Boot reinzudrehen. Dabei hätte er mit seinem Anker fast die Sorgleine abgerissen und meine Festmacher dabei mitgenommen. Ich bin etwas lauter geworden, habe schnell wieder einen Fender rausgehängt und er hat den Versuch dann abgebrochen. Dann schaffte er es doch noch in die Box zu fahren und ich habe seine Vorleine so lange festgehalten bis er das Boot in der Box hatte. Dank dieses Abenteuers kam ich eine knappe Stunde später los als geplant. Immerhin habe ich jetzt die Erkenntnis, dass ich als Einhandsegler im Vergleich gar nicht so schlecht bin 👍.

Aus dem Greifswalder Fahrwasser heraus laufe ich per Motor, da ich den Wind direkt von vorn habe. Andere kreuzen gegenan. Ein Traditionssegler passiert dabei laufend das Fahrwasser in dem ich Vorfahrt habe. Einmal hält er direkt auf mich zu, so dass ich nervös werde. Dann dreht er aber ab und segelt hinter mir vorbei.
 
Heute ist wieder Segelwetter und die Welle auf dem Bodden ist moderat. Allerdings passt die Windrichtung (NO) nicht zu meinem Ziel, also muss ich kreuzen. Dazu müsste ich das Fahrwasser regelmäßig kreuzen, aber mir kommt wieder die Regatta entgegen. D.h. häufiger wenden.
Schon wieder die Regatta?
Der Wind nimmt langsam zu und dreht weiter auf Ost. Irgendwann läuft mir die Zeit weg, da ich nicht zu spät in Karlshagen ankommen will. Also Segel runter und Motor an. An Tonne 30 erreiche ich das Fahrwasser nach Peenemünde und ich habe damit den Freesendorfer Haken (Flach) umrundet. Mit halbem Wind geht es unter Segeln flott Richtung Peene.

Kaum in die Peene eingelaufen läßt der Wind in Höhe Peenemünde nach und ich kann in aller Ruhe die Segel bergen. Das letzte Stück bis Karlshagen fahre ich unter Motor. Im Hafen warten schon mein Kollege und seine Frau. Sie nehmen die Vorleinen an und kommen mitsamt einer Flasche Usedomer Kümmelschnaps an Bord. Nach dem Anlegeschluck und meinem Besuch beim Hafenmeister geht es dann ins Restaurant Veermaster zum Abendessen. Dort erfahre ich dann dass aus unserem Tagestörn doch nichts wird, da der Strand lockt. Macht nichts, dann nehme ich morgen Kurs auf Sassnitz um eine Rügen-Runde anzugehen.

Montag, 3. September 2018

Nur weg hier

Wie befürchtet war die Nacht in Stahlbrode nicht sehr angenehm. Also statt Hafentag wegen zu starkem Wind lieber Flucht unter Motor in ruhigere Gefilde? Der neu eröffnete Wasserwanderplatz im Selliner See würde mich reizen. Das bedeutet dann aber direkt gegen den Wind quer über den Greifswalder Bodden. Mein eigentliches Ziel ist ja Usedom, deshalb entscheide ich mich für Greifswald (genauer Wiek).
Greifswalder Bodden mit Wind von vorn
Es geht nur langsam voran (ca. 2 kn SOG), das Boot kämpft gegen den Wind und die Wellen.

Aber an Tonne 4 kann ich endlich Kurs SO nehmen und mich von der Fock ziehen lassen. Endlich gehts voran. Ab der Greifswalder Ansteuerungstonne ändert sich der Kurs sogar auf SW und ich habe Raumwind - schlagartig wird es ruhig und angenehm.
Liegeplatz in Wiek
In Wiek ist es herrlich. Sehr geschützt und ein super Liegeplatz beim Akademischen Seglerverein (ASV) mit Blick auf die Klappbrücke, die nach holländischem Vorbild erbaut wurde.
Blick auf die Kappbrücke
Direkt vor dem Bug habe ich auch die Verpflegung für heute (Fischbrötchen). Dort frage ich nach den Sanitäranlagen für Segler. Ich erhalte für 2 € den PIN-Code und eine Wegbeschreibung zum Schipp-In. Dort finde ich super Sanitäranlagen und Duschen ohne Münzautomat. Offensichtlich bin ich der einzige Gastlieger hier, da ich im Schipp-In sonst nie jemanden getroffen habe.
Fischbrötchen zum Greifen nah 😅
Die Entscheidung aus Stahlbrode abzuhauen war goldrichtig. Im Vergleich zu gestern ist die Abendstimmung friedlich.
Da meine Biervorräte die untere Meldegrenze erreicht hatten, habe ich noch einen Spaziergang zum Einkaufen (Norma) unternommen. Unterwegs kommt man zwangsweise an Eisdielen vorbei die man ja auch finanziell unterstützen muss 😏.
Track Stahlbrode - Wiek

Sonntag, 2. September 2018

Durch die Ziegelgrabenbrücke nach Stahlbrode

Heute dreht der Wind über Nord nach Nordost. Hoffentlich reicht es, um unter Segeln am Wind noch bis Stahlbrode zu kommen. Der heutige Taktgeber ist die Ziegelgrabenbrücke, die um 12:20 Uhr öffnet. Wenn ich das verpasse, müsste ich bis 17:20 Uhr warten oder in der Strahlsunder Citymarina übernachten.
Starker Gegenverkehr
Ich breche um kurz nach 8 Uhr auf, um entspannt bis Strahlsund zu segeln. Zum Aufklaren des Bootes hänge ich den Pinnenpiloten ans Ruder und will mich an die Arbeit machen. Dann kommt mir eine Regatta entgegen - ich schätze 50 - 80 Boote, das kann ich in dem engen Fahrwasser nicht dem Pinnenpiloten überlassen. Also gehe ich erst mal für eine Stunde ans Ruder bis die Horde vorbei ist.

Ich erreiche Strahlsund um 11:30 Uhr und habe noch eine knappe Stunde Zeit bis zur Brückenöffnung. Also in aller Ruhe die Segel runternehmen und dann gemächlich bis zur Brücke tuckern. Die macht pünktlich auf und alle wartenden Yachten hetzen wie die Wilden durch.
Warten vor der Ziegelgrabenbrücke
Im Strelasund kann ich dann noch schön segeln bis in der Deviner Bucht das Fahrwasser Richtung ONO verläuft. Zunächst kreuze ich wie alle anderen gegenan, aber der Wind nimmt zu und wird böiger. Am Deviner Haken habe ich noch eine Grundberührung (leider kann ich von der Pinne aus die Seekarte nicht im Auge behalten) und dann reicht es mir, da ich noch irgendwann ankommen will und der Wind weiter dreht. Also Tuch runter und Motor an.
Der NO-Wind erreicht 4 Bft und wird böig
In Stahlbrode ist wieder der Bojenhaken im Einsatz. Bei starkem Seitenwind biete ich bestes Hafenkino, aber mit Hilfe eines anderen Seglers kann ich dann doch festmachen.
Liegeplatz in Stahlbrode
Stahlbrode ist bei Ostwind offensichtlich kein guter Liegeplatz. Gegenüber liegt der Wasserwanderplatz Glewitz, der müsste geschützt sein. Allerdings habe ich bei dem Seitenwind nicht die geringste Lust noch ein Anlegemanöver durchzuführen.

Die Nacht wird wohl unruhig und für morgen soll der Wind noch zunehmen. Deshalb hatte ich eigentlich einen Hafentag geplant. Das kann ja lustig werden.
Track Barhöft - Stahlbrode

Samstag, 1. September 2018

Auf nach Barhöft

Geplant war für morgen ein gemeinsamer Tagestörn mit einem Arbeitskollegen, der auf Usedom Urlaub macht. Da Pläne sich kurzfristig ändern und schönstes Segelwetter ist, bin ich Nachmittags nach Barhöft aufgebrochen. Wir haben unseren Törn auf Mittwoch verschoben und ich segle ihm entgegen. D.h. grobe Richtung Usedom.
Kinnbackenhagener Rinne
Die schwache NW-Brise hat mich gemütlich durch den Tonnenstrich geschoben.
Erst kurz vor Barhöft musste das Tuch runter. Beim Vorbereiten für das Anlegen hab ich das Ruder dem Pinnenpiloten übergeben. Der hatte dann nichts besseres zu tun als das Boot auf Grund zu setzen. Glücklicherweise konnte ich mich per Motor selbst befreien.
Liegeplatz in Barhöft
Beim Anlegen kam ein Alarmsignal vom Funkgerät - da konnte ich mich aber nicht drum kümmern. Mit halbem Ohr habe ich mitbekommen, dass Bremen Rescue Hilfe für eine nahe der Greifswalder Oie auf Grund gelaufene Yacht organisiert. Na gut, dass mir so etwas nicht passiert 😎.
Distress Meldung (Notruf)
Die Neuanschaffung (Bojenhaken) hat sich bewährt. Allein an Bord kann ich mich nicht lange mit dem Einfangen der Boje beschäftigen, der Haken hilft Zeit sparen und verlängert den Arm.
Mit Bojenhaken gehts leichter
Falls ich noch Zweifel hatte, am Nachmittag noch kurzfristig loszusegeln, so sind die bei der Abendstimmung im Hafen verflogen.
Es war ein kurzer und schöner Törn nach Barhöft.
Track Barth - Barhöft
Wer genau hinschaut, sieht auf der Karte kurz vor Barhöft den Zacken wo ich kurz festsaß.

Montag, 27. August 2018

Nothafen per pedes

Christian, von dem ich mich in Dabitz verabschiedet hatte, ist nach vollendeter Rügen-Umrundung auch wieder im Barther-Bodden und wir hatten geplant gemeinsam (mit unseren Booten) in den Saaler-Bodden bis nach Ribnitz-Damgarten zu segeln. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin gar nicht erst los gesegelt und Christian hat dann Schutz in Prerow gesucht. Dort war für ihn ein Hafentag angesagt, da die Böen zu stark waren und Einhandsegeln der pure Stress gewesen wäre. Da mich der Nothafen Darßer Ort schon länger interessiert habe ich einfach einen Landausflug vorgeschlagen. Ich bin mit dem Auto nach Prerow gefahren und wir sind dann per Shuttle und zu Fuß zum Nothafen gelangt.
Blick von der Einfahrt in den Hafen

Hafeneinfahrt
Ein eher seltenes Ereignis, den Seenotrettungskreuzer in seinem Heimathafen zu sehen. Die Zufahrt versandet relativ schnell und dann muss erst wieder gebaggert werden. Der Hafen wurde erst im Mai wieder freigegeben.
Seenotrettungskreuzer Theo Fischer

Es liegen tatsächlich Yachten hier

Leuchtturm Darßer Ort

Blick auf die Ostsee

Noch mehr Ostseestrand

Mittwoch, 22. August 2018

Auf Abwegen



Es war mal wieder Zeit in Bayern nach dem Rechten zu sehen. Die Hinfahrt mit dem Zug (Stralsund - München) hat zwar etwas gedauert, war aber insgesamt entspannt (bis auf die Auftritte einiger Mitmenschen... 👺). Für den Rückweg nach MeckPomm hatte ich kein Sparticket bekommen und ich wollte sowieso eines meiner Motorräder mit in den Norden nehmen. Deshalb hatte ich gestern aufgesattelt und bin mit dem Motorrad gestartet. Mit Hilfe einer App habe ich mich über schöne Nebenstraßen führen lassen. Leider war nach 160 km in der Nähe von Kelheim Schluss mit dem Spaß. Die Lichtmaschine wollte nicht mehr und die Batterie hat dann schlapp gemacht. Aber wozu hat man sich vorbereitet und alle Daten in der ADAC-Pannenhilfe-App hinterlegt wenn dann im Niemandsland kein Datennetz zur Verfügung steht? Nach 300 m Fußmarsch auf die nächste Kuppe kam dann eine wackelige Internetverbindung zustande und ich konnte meinen Pannenruf absetzen. Es hat mir dann die Wartezeit verkürzt als die Statusmeldungen hereinkamen - die Software für die Meldungen hatte ich mitentwickelt, ein kleiner Trost dass die noch läuft.

Der Straßendienstpartner (auch Motorradfahrer) hat die Maschine dann mit mir auf dem Schandkarren verladen und zum BMW-Service nach Regensburg (beim dortigen BMW-Werk) gebracht. Die konnten aber mit einem 36 Jahre alten Fahrzeug nicht so richtig etwas anfangen (hat ja auch keinen Diagnosestecker 😇), hatten wenig Zeit für Notfälle und bereiteten sich schon auf die Betriebsferien ab der kommenden Woche vor. Man versuchte mir schonend beizubringen, dass das Motorrad erst nach den zweiwöchigen Betriebsferien repariert werden kann. Das hat dann in mir den Plan reifen lassen, das Motorrad heimzuholen und selbst nach dem Fehler zu suchen. Zunächst mal durfte Bettina mich abholen und ich habe dann Abends nach einem Motorradanhänger zum Leihen gesucht.

Das alles war gestern und heute bin ich mit dem Patienten wieder da.
R100CS auf dem Anhänger
Nach Öffnen der Motorabdeckung war die Ursache relativ schnell gefunden.
Kohlebürsten nach 110.000 km
Eine der Kohlebürsten war so stark abgenutzt, dass sie sich in der Führung verkantet hat und nur noch sporadisch Kontakt zum Schleifring hatte. Es reichte aber um die Ladekontrollleuchte ausgehen zu lassen. Morgen gehts zum BMW-Händler um die Ersatzteile (Kohlen) zu kaufen.

Update vom 24.08.: Die Reparatur war erfolgreich und das Motorrad hat bis in den hohen Norden durchgehalten 👍.