Samstag, 14. November 2020

Fernbedienung für den Pinnenpilot

Herbst- und Winterzeit ist Bastelzeit 😎. In diesem Sinn habe ich mich die letzten Tage mit einer Fernbedienung für den Pinnenpiloten beschäftigt. Dafür gibt es schon eine schöne Anleitung bei Github. Also alles ganz einfach - dachte ich. Zunächst wurden die Teile und die Platinen bestellt. Zwischenzeitlich konnte ich mich mit den Programmen für den Arduino Mikrocontroller beschäftigen. Verwendet wird ein lizenzierter Nachbau des Arduino Leonardo (Sparkfun ProMicro). Da die Platinen mit einer Mindestanzahl von 3 bestellt werden mussten, habe ich mich entschieden gleich drei Fernsteuerungen zu bauen. Abnehmer aus dem Neptun-Segel-Forum haben sich schon gefunden.

Die Fernbedienung besteht aus einem handelsüblichen Handsender (433 MHz), der angelernt werden kann (z.B. für Garagentore) und einer Platine mit einem 433 MHz Empfänger, dem ProMicro und einem Pegelwandler (auf 12 V) für das Seatalk1 Protokoll. Seatalk1 ist ein proprietäres Datenprotokoll von Raymarine, das aber weitgehend entschlüsselt ist. Mein Pinnenpilot (Raymarine ST1000 Plus) hat einen Seatalk1-Eingang über den er fernsteuerbar ist.

Eine Besonderheit von Seatalk1 ist die Verwendung von 9 Bit Wörtern. Der ProMicro hat aber nur Unterstützung (UART) für 8 Bit Worte, die bei Mikrocontrollern üblich sind. Findige Entwickler haben eine Kernbibliothek (HardwareSerial) des Arduino modifiziert, so dass 9 Bit Worte gesendet und empfangen werden. Die Anpassung der Kernbibliothek war die erste Hürde auf meinem Linux-System. Einfaches Patchen mit Systemrechten ist zwar möglich, nach dem nächsten Update durch die Paketverwaltung (Snap) wären die Änderungen aber wieder weg. Für Linux habe ich bislang keine dauerhafte Lösung gefunden - ein Ablegen des Patches in der benutzerspezifischen Konfiguration (~/snap/arduino/current/.arduino15/packages/SparkFun/hardware/avr/1.1.13/cores/arduino) hat nicht funktioniert. Deshalb musste ich auf Windows ausweichen. Dort konnte ich die Core-Dateien erfolgreich ersetzen und nach einem Neustart der IDE wurden sie verwendet. Nachdem weitere Bibliotheken nachgeladen waren, konnte ich die Software erfolgreich übersetzen.

Als erstes kamen die Handsender und zum Zeitvertreib konnte ich diese mit einem der Programme aus dem Github-Repository (_433_Programming_New) und einem 433 MHz Sender schon mal mit individuellen Codes versehen.

Nach und nach kamen auch die Bauteile und gestern die drei Platinen. Das Bestücken ging recht zügig bis ich festgestellt habe, dass die ProMicro-Platine nicht passt. Die gelieferten ProMicros sind breiter und länger als auf der Platine vorgesehen. Sie sind zwei Reihen breiter als auf dem Raster vorgesehen und auch etwas länger. Glücklicherweise wird auf einer (Außen-)Seite nur ein Pin verwendet, deshalb konnte ich die Platine einseitig wie vorgesehen einlöten und auf der anderen Seite den einen Pin mit einem Draht verbinden. Durch die vergrößerte Länge stößt der MicroPro an den 433 MHz Empfänger und dieser muss etwas schräg eingelötet werden.


Nicht schön, aber funktioniert

Ein weiteres Manko der gelieferten Platinen sind fehlende Befestigungslöcher. Die Platinen müssen im Gehäuse eingeklemmt oder festgeklebt werden. Zunächst muss die Fernbedienung aber erst einmal auf dem Boot getestet werden. In Bayern, fernab vom Boot konnte ich nur feststellen, dass die Signale des Handsenders ankommen und vom ProMicro wieder ausgegeben werden.


Da an der Seatalk1-Leitung momentan nichts angeschlossen ist, wird im Leerlauf ein "Send Error" angezeigt. 

Falls die Fernbedienung auf dem Boot funktioniert, werde ich überlegen ob ich nicht eine neue Platine entwerfe, die etwas größer ist, zum vergrößerten ProMicro passt und auch Befestigungslöcher hat. Das vergrößerte ProMicro-Board hat auch einen Vorteil: Die Mini-USB-Buchse, die beim Vorgänger für Kritik sorgte (brach leicht ab) ist jetzt an vier statt an zwei Laschen angelötet.

Da die Platine nicht nur auf dem Seatalk1-Bus schreiben, sondern auch lesen kann, verfolge ich noch ein weiteres Ziel: Das Einlesen von Daten von meinem Tiefenmesser und der Logge (ein Raymarine Bidata ST30) und Umwandlung in NMEA0183. Damit könnten dann die Wassertiefen und die Fahrt durchs Wasser (STW) in den Plotter eingespeist werden. Sobald ich wieder am Boot in MeckPomm bin, geht es mit dem Projekt weiter 😀.


Dienstag, 20. Oktober 2020

Saisonende

Die Saison im Corona-Jahr 1 war kurz aber schön. Heute wurde das Boot bei ruhigem Wetter mit dem Travellift auf den Trailer gehoben und ab ging es ins Winterlager nach Millienhagen.

Für die nächsten 5 - 6 Monate ist der Liegeplatz in der Scheune.

Passt wie angegossen

Mastlager

Die Seewasserpumpe ist inkontinent und wartet auf neue Wellendichtungen. Außerdem ist mir in der Elektroverteilung (12 V) ein Kabel abgeschmort - dort will ich die Lüsterklemmen durch zeitgemäße Stromschienen ersetzen. Wenn dann noch Zeit und Lust vorhanden ist, kommt noch ein Solarpanel an die Maststütze.

Mein Winterarbeitsplatz


Mittwoch, 23. September 2020

Endspurt nach Barth

Heute geht es erst kurz vor 11 Uhr los, obwohl wir eine lange Strecke zu bewältigen haben. Die Ziegelgrabenbrücke gibt den Takt vor. Die Öffnung um 08:20 Uhr kam nicht in Frage, da wir dann ohne Frühstücksbrötchen los gemusst hätten. Also wird 12:20 Uhr angepeilt.

Morgenstimmung in Gustow

Wir sind unter Motor rechtzeitig da und lassen uns dann die letzte Meile in Sichtweite der Brücke bei schwachem Westwind per Fock auf die Brücke zutreiben.

Brückenöffnung Ziegelgrabenbrücke

Zunächst darf der Gegenverkehr passieren, dann setzt die Rallye auf unserer Seite ein.

 

Im Strelasund bei Altefähr dann der nächste Segelversuch. Der schwache NW bringt uns bis Höhe Parow und dann muss wieder der Motor aushelfen. Nach dem Parower-Haken kommt noch mal etwas Wind auf und es kann wieder gesegelt werden. Eigentlich war Westwind vorhergesagt, aber es ist NW und ab dem Fahrwasser (Vierendehlrinne) kommt der Wind direkt von vorne. Also bleibt bis Barth der Motor an. 

Abends genießen wir dann unser letztes gemeinsames Abendessen im Westhafen im Restaurant VINETABLICK. Es war eine schöne Rügenrunde mit angenehmer Gesellschaft. Vielleicht klappt ja eine Wiederholung im nächsten Jahr.

Track Gustow-Barth
        Length 2D: 26.918nm
        Moving time: 07:16:52
        Stopped time: 00:07:51
        Max speed: 4.57kn
        Avg speed: 3.70kn
        Started: 2020-09-23 10:47:19+02:00
        Ended: 2020-09-23 18:18:12+02:00

Dienstag, 22. September 2020

Rückweg via Gustow

Das Thema Sanitärcode lässt mich nicht los, also stiefel ich um kurz vor 9 Uhr noch mal zum Brückenwärterhäuschen und frage nach dem aktuellen Sanitärcode. Der Kollege ist hilfsbereit und stattet mich mit einem neuen Code an. Zurück zum Schipp-In leider Fehlanzeige. Also noch mal zurück zur Brücke und Nachfrage. Mittlerweile ist ein weiterer Kollege da, der sich besser auskennt. Der aktuelle Code gilt erst ab 14 Uhr, bis 14 Uhr ist der von gestern zu nehmen. Also stiefel ich noch mal los und probiere den gestrigen Code. Diesmal funktioniert es und ich kann die Dusche benutzen.

Etwas verspätet geht es dann kurz nach 10 Uhr los. Wir kürzen ab und versuchen auf schnellstem Weg zur Palmer Ort Rinne zu gelangen. Auf dem Plotter sehe ich dann ein merkwürdiges Flach und in der Navionics-App auf dem Tablet wird bei entsprechender Vergrößerung ein 90 cm Flach sichtbar, auf das der Pinnenpilot zusteuert. Also runter vom Gas und einen Bogen gefahren – das ging gerade noch mal gut.

Zu wenig Wind

In der Palmer Ort Rinne wird Segel gesetzt und mit knapp 2 Bft geht es Richtung Stralsund. Doch kurz vor der Fähre Stahlbrode – Glewitz schläft der Wind ein und der Motor muss uns an der Fähre vorbeibringen.

Danach noch mal ein Versuch mit Segeln. Diesmal geht es mit 1,5 – 2,5 Knoten bis kurz vor die Hochspannungsleitung zwischen Festland und Rügen. Danach Segel runter und per Motor rein nach Gustow. Ein ausgedehnter Fußmarsch bringt uns zum Gutshof Kajahn und zu unserem Abendessen.

Garten Gutshof Kajahn

Danach geht es zurück in die Marina und zum Schlummertrunk. Tobi (der Hund von Tanja und Jürgen) hatte heute ausreichend Auslauf.

Track Wiek Greifswald-Gustow

        Length 2D: 17.558nm
        Moving time: 05:14:44
        Stopped time: 00:22:43
        Max speed: 4.69kn
        Avg speed: 3.34kn
        Started: 2020-09-22 10:04:20+02:00
        Ended: 2020-09-22 15:41:47+02:00

Montag, 21. September 2020

Nebelfahrt nach Süden

Pünktlich um 8 kommt Paul mit einem Kollegen aus der Werkstatt und dieser sucht mir den passenden Impeller heraus. Bezahlt und eingebaut – schon bin ich wieder einsatzbereit.

Damit wäre ich nicht mehr all zu weit gekommen

Nach dem Frühstück geht es los Richtung Wiek bei Greifswald. Bis westlich von Vilm geht es noch bei guter Sicht über spiegelglattes Wasser bei leichtem Südwind.


Danach tauchen wir in die Nebelwolken, die bis ca. 5 Meter Höhe reichen. Über der Mastspitze ist immer der blaue Himmel zu sehen, aber voraus und in die Runde sind nur 1 – 2 Kabel Sicht. Der Pinnenpilot hält uns auf Kurs und kurz vor dem Fahrwasser Richtung Stralsund klart es endlich auf. Südlich des Fahrwassers kommt sogar etwas Wind auf und der Motor wird abgeschaltet. Zunächst möchte ich nur etwas die Ruhe genießen und an der Fock etwas auf Kurs bleiben. Doch bald kommt mehr Wind aus Ost auf und das Groß kommt auch noch zum Einsatz. Bis kurz vor Greifswald können wir mit 3 – 2,5 kn noch etwas segeln. Dann geht es in den Hafen von Wiek und an den Anlegestellen des Akademischen Segelvereins finden wir noch zwei nahe beieinander liegende freie Boxen. Die Hafengebühren können wir direkt bei einem nach uns anlegenden Vereinsmitglied bezahlen. Der Code für die Sanitäranlagen im Schipp-In erweist sich leider als falsch. Angeblich gab es einen Stromausfall und der automatische Wechsel auf einen neuen Code hat nicht funktioniert. Wie dem auch sei: Wir bekommen vor morgen 9 Uhr wohl keinen neuen Code und müssen uns ohne Sanitärräume behelfen. Das Essen in der Pizzeria am Hafen war gut und beim Gassigehen mit Tobi kommen wir noch an einem Supermarkt vorbei, wo wir dringende Lebensmittel (u.a. Lehment Doppelkümmel) günstig erwerben können.

Track Lauterbach-Wiek Greifswald
        Length 2D: 15.565nm
        Moving time: 04:43:32
        Stopped time: 00:19:07
        Max speed: 4.58kn
        Avg speed: 3.29kn
        Started: 2020-09-21 10:22:21+02:00
        Ended: 2020-09-21 15:25:00+02:00

 

Sonntag, 20. September 2020

Kurzer Schlag nach Lauterbach

Heute steht ein kurzer Schlag bis nach Lauterbach auf dem Programm. Wir wollen uns mit Paul treffen, den wir aus dem Neptun-Forum kennen. Er arbeitet bei der Marina in Lauterbach (Im Jaich) und war bis vor kurzem auch Neptun 22 Eigner.

Morgenstimmung in Seedorf

Wir haben einen entspannten Segeltag auf dem Greifswalder Bodden bei 2 – 3 Windstärken.

Die Jan vor dem Reddevitzer Höft

Kurz vor 16 Uhr laufen wir in Lauterbach ein und finden auch zwei benachbarte Boxen, die frei sind. Eine Stunde später steht Paul auf dem Steg und wir fachsimpeln erst mal über unsere Boote und besichtigen auch seine frisch erworbene Sirius 26.

Die Eisbär hatten wir 2014 in Lauterbach bei Goor gechartert

Nach dem Frischmachen geht es gemeinsam zum Essen in Hafennähe und zum Verkosten des Inselbiers.
Ausgefallene Sachen haben ihren Preis...

Morgen früh um 8 Uhr habe ich mich mit Paul wg. des Impellerproblems verabredet.

Track Seedorf-Lauterbach

        Length 2D: 12.478nm
        Moving time: 04:35:07
        Stopped time: 00:52:46
        Max speed: 4.18kn
        Avg speed: 2.72kn
        Started: 2020-09-20 10:14:05+02:00
        Ended: 2020-09-20 15:41:58+02:00
 

Samstag, 19. September 2020

Direkt zum Schickeria-Treff

Da heute nur sehr schwacher Wind weht, steht uns eine Motoretappe bevor. Es soll nach Thiessow oder besser nach Seedorf (Tipp von einem Forenmitglied) gehen. Wir hatten den Start um 09:30 Uhr geplant. Ich beschließe meinen Tank vorher noch zu füllen mit dem Diesel aus meinem Reservekanister. Jürgen will noch an der Tankstelle in Sassnitz tanken. Da die Tankstelle nicht kurzfristig bereit ist, müssen wir warten und kommen erst um 10:30 weg. Der Pinnenpilot übernimmt fast vollständig die Ruderabeit, da das Meer fast spiegelglatt ist. 

 

Nordperd voraus

Sassnitz und die Jan im Kielwasser

Nach knapp 6 h kommen wir in Seedorf an. Der Hafen liegt landschaftlich schön und wir machen am Wasserwanderplatz fest. Hier scheint ein Schickeria-Geheimtreff zu sein. Einige Edelboote mit entsprechenden Crews machen das Hafenlokal unsicher, in dem ein stark geschminkter Kellner den Prosecco an die Gäste verteilt. Die Ceres Yacht ist auch dabei. Leider frequentieren alle Lokalgäste auch die Seglertoiletten und Waschräume, die wenig attraktiv sind. Warum wir einen Schlüssel für die Toiletten bekommen haben, erschließt sich mir nicht, da ein Schlüssel am Schloss festgekettet wurde:

Schlüssel mit Zahlenschloss gesichert 😈

Vielleicht wäre der Steg vorher (Forellensteg) besser gewesen. Zumindest hält Seedorf diesbezüglich den Vergleich mit Sellin nicht aus. Nächstes mal lieber eine knappe Stunde länger fahren, dafür aber einen ruhigeren Hafen mit moderneren Sanitäranlagen. Später (morgen) erhalte ich von unserem ortskundigen Forenkollegen Paul den Tipp, nächstes mal auf der linken Seite beim SSV Lanken Cranitz festzumachen - also bekommt Seedorf noch eine Chance 😎.

Unterwegs ist mir bei der langen Motoretappe aufgefallen, dass das Kühlwasser im Seefilter schäumt. Außerdem bildet sich unterhalb des Impellergehäuses regelmäßig eine Wasserpfütze. Also Zeit für eine Impellerinspektion, denke ich und bin sicher einen Ersatzimpeller mit an Bord zu haben. Der Impeller ist tatsächlich defekt (eine Lamelle fehlt) und ich suche das Ersatzteil überall auf dem Boot und kann es nicht finden. Liegt es vielleicht doch zu Hause, wo es mir nichts nützt? Jürgen ruft unseren Forenkollegen Paul in Lauterbach an, den wir morgen sowieso treffen wollen. Er arbeitet dort in einer Werft und kann vielleicht helfen. Später kommt der Rückruf – der Hafenmeister in Lauterbach sei informiert und seine Firma sei Volvo Penta Vertragshändler, das Ersatzteil sollte also verfügbar sein – auch am Sonntag. Bis Lauterbach können wir morgen voraussichtlich segeln und der defekte Impeller fördert momentan noch genügend Wasser für die Motorkühlung. Also liegt derzeit kein ernsthaftes Problem vor.

Track Sassnitz-Seedorf
        Length 2D: 24.929nm
        Moving time: 05:56:51
        Stopped time: 00:26:11
        Max speed: 4.54kn
        Avg speed: 4.19kn
        Started: 2020-09-19 10:36:46+02:00
        Ended: 2020-09-19 16:59:48+02:00

Freitag, 18. September 2020

Kreidefelsen in slow motion

Nach einer ruhigen Nacht laufen wir um kurz nach 10 Uhr aus. Es herrscht schwacher Nordwind und die Dünung ist stark zurückgegangen. Wir segeln mit 1,5 – 2,5 kn an den Kreidenfelsen entlang und genießen die Aussicht bei wolkenlosem Himmel und absolut klarer Sicht. Selbst Kap Arkona und die Windparks Wikinger und Arkona sind gut zu sehen.

Die Jan vor dem Königsstuhl

 

Der Vorteil bei einer Flottille ist, dass man von seinen Begleitern auch Bilder und Videos vom eigenen Boot bekommt. Hier die Whisky vor den Kreidefelsen:


Lediglich die zahlreichen Ausflugsdampfer aus Sassnitz die zu den Kreidefelsen und zurück fahren, nerven etwas durch dauernde Wellen beim nahen Vorbeifahren. Offensichtlich segeln wir genau auf ihrer Lieblingsroute.

Letzter Blick zurück kurz vor Sassnitz

Vor Sassnitz holen wir die Segel herunter und dann jault beim Motor-Anlassen auf meinem Boot der Keilriemen. Zugegeben, es kommt nicht unerwartet, da ich seit einiger Zeit weiß, dass der Keilriemen etwas locker sitzt. Zeit sich darum zu kümmern. Außerdem treten im Bordnetz immer häufiger kurze Spannungsschwankungen und Aussetzer auf. Deshalb lege ich nach dem Festmachen erst mal eine Bastelstunde ein.

Der Verstellmechanismus für den Keilriemen ist schwer erreichbar verbaut und die in den Motorraum zeigende Mutter dreht mit – also wäre eine dritte Hand hilfreich. Tanja und Jürgen sind aber zum Einkaufen. Also muss der Ringschlüssel für die Mutter festgeklemmt werden und unter hohem Krafteinsatz lässt sich die Verschraubung dann lösen. Wie jetzt aber den Riemen (via Lichtmaschine) spannen und gleichzeitig die Schraube festziehen und die Mutter blockieren? Ich verkeile das Notruder zwischen Motorblock und Lichtmaschine um den Riemen zu spannen. Dann kann ich in aller Ruhe die Schraube wieder festziehen.

In der geöffneten Elektro-Verteilung ziehe ich etliche Lüsterklemmen nach und wackle an diversen Drähten um die Aussetzer zu provozieren. Zunächst ohne Erfolg. Dann fällt mir eine geschmolzene Klemme auf. Offensichtlich war die locker und hat sich dann verschweißt. Das wird wahrscheinlich vor einigen Tagen passiert sein, als auf der Fahrt nach Barhöft der Kühlschrank durchlief und ich einen Totalausfall der Spannungsversorgung hatte. Ich kneife den Draht ab und schließe ihn an einer freien Klemme zur Spannungsversorgung wieder an. Der Drahtverhau soll sowieso nur noch bis zum Winter halten. Dann müssen dort massive Stromschienen rein.

Danach gehts mit Tanja und Jürgen in die Pizzeria am Hafen. Anschließend wird noch ein Schnelleinkauf beim Rewe gemacht – ich erstehe eine Flasche Hamburger Kümmel, die wir dann anschließend bei mir im Boot anbrechen und verkosten.

Track Lohme-Sassnitz

        Length 2D: 9.234nm
        Moving time: 04:24:50
        Stopped time: 00:21:53
        Max speed: 4.50kn
        Avg speed: 2.09kn
        Started: 2020-09-18 10:16:18+02:00
        Ended: 2020-09-18 15:03:01+02:00

Donnerstag, 17. September 2020

Ruhetag in Lohme

Für heute war die Weiterfahrt nach Sassnitz geplant, bei ggf. wetterbedingt frühem Start sogar die direkte Route nach Thiessow. Doch erst einmal muss der Motor bei der Jan wieder laufen. Der Motorservice aus Sassnitz wollte zwar schon um 7:30 Uhr da sein, kam aber später und hatte auch noch Probleme mit der Schrankenanlage zum Hafen. Deshalb begann die Reparatur deutlich später. Die Ursache war schnell gefunden – offensichtlich war der Wasserabscheider komplett zugesetzt durch Bakterien (sog. Dieselpest). Der Filter wurde ausgebaut und komplett gereinigt. Nach dem Wiedereinbau lief der Motor als wäre nichts gewesen. Der Service mit zwei Monteuren und der Anfahrt aus Sassnitz hat ein gehöriges Loch in die Reisekasse bei Tanja und Jürgen gerissen, doch beide waren froh, dass die Reparatur so zeitnah stattfand.

Ich habe einem Monteur das Bild mit dem Gries aus meinem Tank gezeigt, den ich bei der Tankreparatur entfernt hatte. Er hat bestätigt, dass dies auch Dieselpest sei, allerdings im Frühstadium, die dunkle Färbung tritt erst später auf. Da habe ich unwissentlich mit der Tanksanierung wohl Glück gehabt, dass mich nicht das gleiche Schicksal ereilt hat.

Der nächtliche Starkwind ist zwar mittlerweile abgeflaut, hat aber für eine stattliche Dünung von knapp 1,5 m gesorgt, die für gelegentliche Wellen sorgt, deren Gischt über die Hafenmole kommt.


Die Dünung soll lt. Vorhersage bis 11 Uhr auf 1 m und ab 14 Uhr auf 70 cm zurückgehen. Mein Vorschlag war daher, ab 12 oder 14 Uhr raus zufahren und Richtung Sassnitz zu segeln. Durch die Dünung in der Hafeneinfahrt hätte man mit Vollgas durch gemusst und wäre dabei gut durchgeschaukelt worden. Das konnten wir bei auslaufenden (größeren) Yachten gut beobachten.

Gischt über der Hafenmauer

 
Brandung am Wellenbrecher

Die Aussicht auf dieses Abenteuer und die Dünung während der Überfahrt in Verbindung mit einer schlaf armen Nacht haben bei Tanja aber den Wunsch nach Aufenthaltsverlängerung und Verschiebung der Fahrt auf morgen aufkommen lassen. Dem sind wir dann gefolgt und haben das weitere Geschehen im Hafen bei Kaffee und Kuchen im Cafe Niedlich beobachtet. Morgen soll lt. Vorhersage die Dünung auf 30 -20 cm zurückgehen, so dass wir den Reisehöhepunkt (Kreidefelsen) hoffentlich entspannt genießen können.

Mittwoch, 16. September 2020

Motorprobleme vor Kap Arkona

Tagesziel ist Lohme im Norden von Rügen, da die Wetteraussichten schwache und passende Winde versprechen. Wir starten pünktlich um 09:45 Uhr, da 25 nm vor uns liegen und gegen Abend eine Kaltfront mit stärkerem Wind und Böen bis zu 25 kn vorhergesagt sind. Noch im Tonnenstrich zwischen Hiddensee und Rügen auf Höhe des Ankergrunds bei Libbe können wir Segel setzen und kommen mit dem NW-Wind gut voran. Es ist ziemlich diesig und die Sicht beträgt nur 1 – 2 nm. Zeitweise kann man die Küste nur erahnen, für meine Begleiter auf der Jan sicher ungewohnt. Später wird der Wind zu schwach und die Motoren müssen wieder ran, da wir im Zeitplan bleiben wollen. Ich hoffe, dass wir nach dem Kurswechsel bei Kap Arkona dann mit Raumwind noch etwas segeln können.

Aber noch vor Kap Arkona höre ich einen Pfiff von Jürgen auf der Jan und sehe das Boot zurückfallen. Zunächst nehme ich Gas weg und warte, da die Jan nicht nachkommt drehe ich um und fahre zurück. Auf Rufweite heran, erfahre ich dass der Diesel auf der Jan laufend abstirbt. Jürgen vermutet eine defekte Tankuhr (zeigt mehr als halb voll an) und einen leeren Tank. Ich habe einen 20 l Kanister Diesel an Bord, den wir bei 10 – 20 cm Wellenhöhe von Boot zu Boot übergeben können. Das Nachtanken bringt keine Verbesserung, so dass Treibstoffmangel als Ursache ausgeschlossen werden kann. Jürgen entlüftet noch mehrfach das Kraftstoffsystem, doch der Motor stirbt nach kurzem Lauf immer wieder ab.

Schließlich entscheiden wir uns für das Abschleppen. Ich nehme einen meiner 20 m Festmacher und knote einen Hahnepot über meine Heckklampen. Das andere Ende werfe ich Jürgen herüber und er macht die Leine an den vorderen Klampen fest. Mit 3,3 – 3,8 kn kommen wir so voran, da der Raumwind mithilft. Zwischenzeitlich versuchen wir den Hafenmeister von Lohme zu erreichen um eine Einschlepphilfe für den Hafen zu organisieren. Die mit Felsen aufgeschüttete enge Hafeneinfahrt von Lohme ist mir als Einhandsegler mit einer Yacht im Schlepp doch zu anspruchsvoll.

Als wir schon fast am Ziel sind, erreicht Jürgen gegen 17:30 Uhr den Hafenmeister, der uns ein großes Motorboot mit drei niederländischen Anglern entgegenschickt. Wir werfen die Schleppleine los und die Niederländer nehmen die Jan längsseits. Die Dünung ist bereits bei einem halben Meter, so dass dies nicht ohne leichte Blessuren an Jürgens Boot gelingt. Ich bereite derweil die Whisky auf das Anlegen vor und fahre nach dem Schlepppäckchen in den Hafen und kann problemlos an den Dalben festmachen. Der Hafenmeister ist zur Stelle und nimmt meine Bugleinen an. Die Jan muss längsseits am Molenkopf festmachen und liegt damit unweit von der Hafeneinfahrt im Schwell.

Abendstimmung in Lohme
Während es für mich eine ruhige Nacht wird, werden Tanja und Jürgen auf der Jan durchgeschüttelt und verbringen eine weitgehend schlaflose Nacht. Für morgen ist ein Motorservice aus Sassnitz bestellt.

Track Vitte-Lohme

        Length 2D: 27.280nm
        Moving time: 08:07:43
        Stopped time: 00:09:46
        Max speed: 4.46kn
        Avg speed: 3.36kn
        Started: 2020-09-16 09:43:23+02:00
        Ended: 2020-09-16 18:00:52+02:00
 

Dienstag, 15. September 2020

Hiddensee außen herum

Tagesziel ist der Hafen Langerort bei Vitte auf Hiddensee. Der SSO-Wind ist zwar schwach, sollte uns aber außen an Hiddensee vorbei zum Ziel bringen. Heute kommen wir halbwegs pünktlich um 10 Uhr los. In der Enge zwischen Bock und Hiddensee sorgt der Düseneffekt für angenehmen Vortrieb, der allerdings bis zum Ende der Betonnung weiter nachlässt.

Jan mit Skipper

Leuchtturm Dornbusch

Dann müssen wieder die Motoren ran. In Höhe Leuchtturm Dornbusch frischt der Wind wieder auf, kommt aber aufgrund des Kap-Effekts von NO, also genau von vorn. Hinter dem Kap versucht Jürgen von der Jan es mit Segeln, es bleibt aber ein kurzes Vergnügen.

Im Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen Richtung Süden müssen wir durch große Mengen Seegras fahren. Irgendwann merke ich, dass die Motordrehzahl und die Geschwindigkeit langsam abnehmen. Ich reguliere den Gashebel nach, bis ich am Anschlag bin, die Drehzahl lässt sich aber nicht mehr erhöhen und das Schiff vibriert. Es wäre blöd, wenn jetzt der Motor im engen Fahrwasser abstirbt. Nach dem Richtungswechsel nach West setzte ich die Fock (bei mittlerweile Ostwind) und habe damit eine Notlösung um bis Vitte zu kommen. Danach lege ich den Leerlauf ein und der Motor läuft normal im Leerlauf – also liegt das Problem am Saildrive oder der Schraube. Beherzt gebe ich Rückwärtsschub und sehe eine große Wolke Seegras hinter dem Boot auftauchen. Danach ist der Vortrieb wieder vollständig vorhanden. Offensichtlich hatte sich Seegras in der Schraube verfangen und den Antrieb langsam blockiert. Kurz vor der Nordbiegung Richtung Kloster merke ich, dass die Jan hinter mir stark zurückfällt und Jürgen ruft an und berichtet von Antriebsproblemen. Ich drehe um und fahre zurück zu ihm und gebe ihm den Tipp mit dem Rückwärtsschub. Danach sind seine Antriebsprobleme auch weg und ich stehe als der allwissende Held da. Bis zum Zielhafen Langerort bei Vitte muss ich die Prozedur mit dem Rückwärtsschub noch zwei mal wiederholen, weil so viel Seegras im Wasser treibt.

Das Anlegemanöver (Heckdalben) klappt bei Schwachwind bei mir perfekt. Die Crew der Jan kämpft etwas, da die Erfahrung fehlt. Aber danach können wir noch einen Spaziergang zum Ostseestrand unternehmen und im Godewind leckeren Fisch essen. Auf dem Rückweg kommen wir noch an einem geöffneten Edeka-Markt vorbei, so dass Tanja die Getränkevorräte auf der Jan auffüllen kann. 

Track Barhöft-Langerort

 
       Length 2D: 19.653nm
        Moving time: 05:45:52
        Stopped time: 00:22:29
        Max speed: 4.33kn
        Avg speed: 3.40kn
        Started: 2020-09-15 10:04:12+02:00
        Ended: 2020-09-15 16:12:33+02:00

Montag, 14. September 2020

Kleine Flottille mit 3 Yachten

Start in Barth. Verabredet war 10 Uhr. Wir wollen mit drei Yachten (Jan, Chance und Whisky) entweder die Runde um Hiddensee drehen oder bei entsprechendem Wetter auch die große Runde um Rügen. Ich bin kurz nach 9 Uhr am Boot und bereite alles vor. Um 10 bin ich startklar und habe schon vordere Lee-Leine los und der Motor läuft. Da fragt Jürgen von der Chance ob ich ihm noch helfen kann, das Vorsegel richtig zu befestigen. Also rüber zur Chance und erst einmal das Vorsegel am unteren Liek richtig befestigen. Dabei fällt mir auf, dass die Fock-Schoten fehlen. Große Sucherei in der Backskiste bis auffällt, dass die Fock-Schoten schon eingeschoren sind und im Verhau auf dem Deck liegen. Die Schoten werden noch am Segelhals befestigt und ich kann zurück auf mein Boot. Ich lege dann schon mal ab und lasse mich im Hafenbecken treiben bzw. ziehe langsame Kreise. Jürgen räumt derweil noch in seinem Boot herum. Von der Jan (Skipper heißt auch Jürgen) ist auch noch nichts zu sehen – wie ich später erfahre, halten ihn Motorprobleme auf. Die Jan taucht aber kurz danach auf und wir drehen gemeinsam Runden bis die Chance endlich ablegt. Mittlerweile ist es nach 10:30 Uhr.

Gemeinsam verlassen wir den Hafen und setzen erst einmal Segel. Es herrscht schwacher Ostwind, der uns eigentlich zum Tagesziel (Barhöft) bringen könnte. Nach 10 Minuten ist aber klar, dass der Wind zu schwach ist und die Maschinen für Vortrieb sorgen müssen. Ca. eine Meile nach Barth meldet die Chance sich mit Motorproblemen ab und dreht wieder ab nach Barth, der Auspuff rußt bei höheren Drehzahlen stark. Somit besteht unsere Flottille nur noch aus zwei Booten.

Jan - Neptun 22

In der Grabow versuche ich noch meinen Kompass zu kalibrieren, da der Plotter das Schiff immer in der gleichen Richtung anzeigt. Das misslingt allerdings. Wir bergen in der Grabow auch noch das Großsegel und fahren weiter unter Motor bis nach Barhöft. Kurz vor dem Ziel bei der Insel Bock frischt der Wind noch mal auf und die Fock kann etwas Unterstützung gegen den Strom leisten, der uns mit 0,5 – 1 kn entgegen kommt.
Plötzlich fällt mir auf, dass der Tiefenmesser nichts mehr anzeigt und der Pinnenpilot nicht mehr arbeitet. Also schaue ich im Salon auf die Sicherungstafel und stelle entsetzt fest, dass die gesamte Stromversorgung ausgefallen ist. Der Diesel läuft allerdings noch und es riecht auch nicht nach Kurzschluss. Beim Motorfahrt lasse ich normalerweise die Kühlbox auf 12 V mitlaufen, die schalte ich als erstes ab und sofort ist die Bordspannung wieder da. Später in Barhöft habe ich noch mal den 12 V Anschluss an der Kühlbox getestet und der arbeitet einwandfrei. Den Spannungsausfall kann ich mir durch ein Unterspannungswächter erklären, der noch irgendwo verbaut ist. Dem werde ich kommenden Winter nachgehen. Zumindest scheint die Kühlbox mehr zu verbrauchen als die Lichtmaschine erzeugt, was nicht sein sollte. Für den Rest des Törns bleibt die Kühlbox bei Fahrt abgeschaltet.

Das Anlegen in Barhöft an den neuen Fingerstegen gelingt bei Schwachwind problemlos. Beim Hotel gegenüber vom Hafen bekommen wir ein leckeres Abendessen und können mit Bordhund Tobi draußen sitzen, nachdem wir reichlich Anti-Brumm versprüht hatten. Es ist eine milde und angenehme Nacht, allerdings muss ich Oberlicht und Eingang mit Gaze vor Mücken schützen.

Track Barth-Barhöft
    Length 2D: 14.676nm
    Moving time: 04:31:38
    Stopped time: 00:16:12
    Max speed: 4.40kn
    Avg speed: 3.23kn
    Started: 2020-09-14 09:57:52+02:00
    Ended: 2020-09-14 14:55:22+02:00

Mittwoch, 19. August 2020

Zurück nach Barth

Die Meiningenbrücke öffnet u.a. um 09:45 Uhr, deshalb mache ich mich bei schwachem Nordwind von Wiek am Darß um kurz nach 8:30 Uhr auf den Weg um rechtzeitig da zu sein. Eine knappe halbe Stunde vor Brückenöffnung mache ich am Dalben vor der Brücke fest und warte.

Dann öffnet die Brücke und als erstes fährt das Fahrgastschiff aus Zingst durch, gefolgt von weiteren Yachten. Anschließend sind wir dran.

Nach der Brücke werden die Segel wieder gesetzt und hart am Wind geht es Richtung NW nach Zingst. Dabei leite ich eine Wende zu spät ein und sitze schon wieder auf Grund. Aber ein kurzer Motoreinsatz bringt mich zurück ins Fahrwasser. Danach geht es mit schwachem NNW gemütlich in den Heimathafen Barth.

Track Wiek am Darß-Barth

    Length 2D: 10.255nm
    Moving time: 03:59:24
    Stopped time: 00:05:04
    Max speed: 3.53kn
    Avg speed: 2.57kn
    Started: 2020-08-19 08:18:21+02:00
    Ended: 2020-08-19 12:47:30+02:00

Dienstag, 18. August 2020

Pool Position für die Meiningenbrücke

Der Wind kommt noch aus NO, soll aber morgen schwach aus West kommen. Deshalb geht es heute wieder nach Wiek, um morgen von dort früh genug bei der Meiningenbrücke zu sein. Im Bodstedter-Bodden habe ich westlich der Tonne R37 mal wieder eine Grundberührung, komme aber ohne Badeeinlage per Motor wieder frei 👍. Danach geht es ruhig bis Wiek in den Hafen.

Der Kiosk (vertritt auch den Hafenmeister) hat Dienstags zu und der Hafenmeister kommt erst ab 19 Uhr. Die Toiletten sind aber offen und Dusche/Waschraum sind bis 19 Uhr verzichtbar. Gegenüber von meinem Liegeplatz macht ein älterer Skipper mit seinem Enkel ein Zeesboot klar. Er ruft rüber und stellt sich als Hafenmeister vor. So kann ich doch gleich den Liegeplatz zahlen und erhalte gleich zwei Schlüssel, weil Enkel und Hafenmeister zum Angeln wollen und über Nacht draußen bleiben. Den zweite Schlüssel soll ich weitergeben, falls noch jemand kommt - so wird man also hier zum Hilfs-Hafenmeister ☺.

Hafen Wiek am Darß
Trotzdem gehe ich erst mal zum Essen. Leider ist es wie überall: Entweder Dienstags geschlossen oder Schlangen vor den wenigen geöffneten Gasthäusern. Immerhin komme ich auf meiner Wanderung durch Wiek an vielen bunten Haustüren vorbei, die sich die Kapitäne vergangener Zeiten geleistet haben und für die Wiek bekannt ist.
Bunt bemalte Haustüren

Noch eine bemalte Haustür
Zurück am Boot treffe ich auf dem Steg meinen Nachbarlieger (Motorboot) von gestern (Born). Er ist mit seinem Fahrrad unterwegs und erkundet die nächsten Häfen, bevor er hinfährt. Anschließend wird das Abendessen eine Dosensuppe aus dem Notvorrat an Bord. Danach bringe ich die Mückennetze an und verziehe mich ins Bootsinnere.

Track Born-Wiek am Darß
    Length 2D: 5.601nm
    Moving time: 01:49:15
    Stopped time: 00:20:35
    Max speed: 3.91kn
    Avg speed: 3.06kn
    Started: 2020-08-18 11:53:29+02:00
    Ended: 2020-08-18 14:03:19+02:00


Montag, 17. August 2020

Zeit für den Rückweg

Heute ist Montag und ab morgen soll der Wind von Ost auf West drehen. Deshalb plane ich langsam den Rückweg und will von meinem Ankerplatz nach Neuendorf segeln. Am liebsten wäre ich noch geblieben, aber so ganz ohne Landstrom kann ich den Kühlschrank nicht betreiben und warmes Bier schmeckt mir nicht. Eine Nacht in Neuendorf sollte Getränke und verderbliche Lebensmittel wieder auf Solltemperatur bringen - so jedenfalls mein Plan. Beim Wasserwanderplatz in Neuendorf sind alle freien Boxen mit Rot markiert, also belegt. Ich lege trotzdem in einer Box an und rufe den Hafenmeister an. Der teilt mir dann eine andere "belegte" Box zu und ich verlege das Boot noch mal. Dann stellt sich heraus, dass an den Stromkästen fast ausschließlich Schuko-Steckdosen vorhanden sind (statt der üblichen CEE-Campingstecker). Leider liegt mein Adapter (Schuko auf Campingstecker) daheim in der Garage, weil ich ihn für den Wohnwagen benötigt hatte und der Hafenmeister hat auch keinen Adapter. Ohne Strom will ich aber keinen Liegeplatz bezahlen.

Also geht es weiter unter Segeln Richtung Norden nach Born. Das Fahrwasser ist eng und führt durch Sumpfland mit Schilf. Der schwache NO schläft fast ein. In Höhe Eichort kommt aus Richtung NO wieder freies Wasser und der Wind frischt deutlich auf. Bei Tonne R58 erwischt es mich dann: Das Fahrwasser knickt etwas nach Steuerbord ab und ich bekomme den Wind fast von vorn. Bevor ich den Motor starten konnte war ich schon abgetrieben und saß auf Grund. Das Boot lag quer zum Wind und der drückte das Boot immer weiter auf das Flach. Also erst mal Segel runter, dann in die Badehose und den Anker Richtung Fahrrinne getragen und dort abgelegt. Mit viel Zerren an der Ankerkette, mit Motorunterstützung und Drücken von Außen am Rumpf konnte ich den Bug in die gewünschte Richtung drehen und dann das Boot ganz langsam wieder in die Fahrrinne ziehen. Die ganze Aktion hat eine Stunde gedauert und ich war heute auch ungeplant zum Baden gekommen 😇. Später habe ich mir noch mal die Stelle auf der Seekarte angesehen und nicht schlecht gestaunt. Die roten Tonnen liegen laut Fahrwasser auf der Steuerbordseite, allerdings liegt der größere Teil der Fahrrinne rechts von der Tonne. Es wäre also günstiger gewesen, die Tonne auf Backbord zu passieren, so wie es eine vorbeikommende Ausflugsfähre auch gemacht hat. Mit einem Kartenplotter im Cockpit hätte ich das vielleicht noch rechtzeitig gesehen...

Zumindest konnte ich mich aus eigener Kraft befreien und kam dann Abends in Born an.

Wasserwanderplatz Born

Leider war es schon kurz vor 19 Uhr und im Hafenbistro gab es kein warmes Essen mehr. Also bin ich noch in den Ort gestiefelt auf der Suche nach einem passenden Restaurant. Aber Montag ist entweder Ruhetag oder vor den geöffneten Futterstellen stehen die Menschen brav an und warten auf einen der wenigen Tische (Corona sei Dank). Entnervt  hole ich mir ein Fischbrötchen bei Dat Happke.

Born hat die Sanitäranlagen in zwei Containern (je eine Toilette für Männlein und Weiblein und gleiches bei den Duschen). Zum Glück war nicht viel los und die Dusche funktioniert ohne Münzeinwurf und Zeitlimit. Endlich konnte ich entspannt meine langen Haare waschen.

Von Saal via Neuendorf nach Born

    Length 2D: 11.873nm
    Moving time: 03:23:34
    Stopped time: 00:57:50
    Max speed: 4.76kn
    Avg speed: 3.48kn
    Started: 2020-08-17 11:21:56+02:00
    Ended: 2020-08-17 17:14:30+02:00

Sonntag, 16. August 2020

Ankerwetter

Heute ist es wieder so warm und mir ist eigentlich nach Baden. Also suche ich mir auf der Karte ein ruhiges Ankerplätzchen, damit ich vom Boot aus ins Wasser kann. Gegenüber von Wustrow auf der anderen Boddenseite liegt Saal und in der Nähe sieht es auf der Karte hübsch aus und der Tiefgang passt auch. Also gibt es nur einen kurzen Schlag und es wird Anker geworfen.

Mal eine andere Perspektive
Bei 1,5 m Wassertiefe werfe ich den Anker und weil das so schweißtreibend war, muss ich gleich ins Wasser. Nachdem ich die Leiter am Heck herunter gestiegen bin, wundere ich mich, dass ich stehen kann. Offensichtlich sind es nur 1,3 m Wassertiefe hier - aber es reicht noch für die Whisky.
Badewetter
Mit dem Smartphone in der Hand kann ich bequem ums Boot laufen und Bilder machen.
Das Abendessen auf dem Spirituskocher
Es gefällt mir hier so gut, dass ich spontan entscheide über Nacht hier zu bleiben. Also schnell eine Notration (Fertigsuppe) unter der Sitzbank hervorgeholt und auf dem Spirituskocher warm gemacht.
Sonne geht bei Wustrow unter

Belohnt wird der Abend mit einem herrlichen Sonnenuntergang. Es ist absolut ruhig hier. Ab und zu ist im Boot das Rasseln der Ankerkette auf dem Grund zu hören, wenn das Boot schwojt.

Hier der Sonnenuntergang in vierfacher Geschwindigkeit. Im Original dauert es ca. 3,5 Minuten.

Törndaten:
    Length 2D: 4.511nm
    Moving time: 01:36:33
    Stopped time: 00:00:54
    Max speed: 3.86kn
    Avg speed: 2.81kn
    Started: 2020-08-16 11:03:06+02:00
    Ended: 2020-08-16 12:40:56+02:00

Samstag, 15. August 2020

Vom Bodstedter- in den Saaler-Bodden

Die Nacht in Wiek war ruhig und aufgrund der kurzen Schläge kann man sich Zeit lassen mit dem Auslaufen. Es weht ein schwacher Ostwind und das Tagesziel (Wustrow) ist nicht weit. Die Alternative wäre Ahrenshoop gewesen, aber laut Revierführer und auch von anderen Seglern wusste ich, dass der Ort überlaufen ist. Außerdem hat Wustrow den Vorteil, dass Fischland dort sehr schmal ist und die Ostsee zu Fuß erreichbar ist.

Entspanntes Schönwetter-Segeln
In Wustrow habe ich erst einmal in einer Box am Steg für Wasserwanderer angelegt und anschließend keine freie Steckdose für den Stromanschluss mehr gefunden. Als ich den Hafenmeister (Stefan) anrief, kam er gerade mit seiner alten Simson um die Ecke und ich konnte ihm gleich sagen, dass er nicht ans Telefon muss, da ich gerade anrufe. Das Problem mit den Steckdosen war ihm geläufig und er bot mir gleich einen Liegeplatz im Kommunalhafen an, den ich gern annahm. Meine Frage nach einem guten Fischbrötchen beantwortete er mit "nicht mehr in Wustrow", ich müsste schon bis Born fahren. Er ist gelernter Fischer und legt da wohl hohe Maßstäbe an. Ersatzweise schickte er mich zu einem Imbiss mit Räucherei gleich um die Ecke.
Fisch direkt aus der Räucherkammer und ein Brötchen dazu

Liegeplatz vor dem Hafenmeister-Büro
Später wurde es noch etwas voller, das Fahrgastschiff legte noch an und zwei Zeesboote.
Abendstimmung an der Ostsee
Ein ca. 20minütiger Spaziergang führte mich zur Seebrücke an der Ostsee. Auf dem Weg dorthin konnte ich mich noch mit italienischem Eis stärken und den hohen Temperaturen etwas entgegen setzen.
Blick von der Seebrücke zum Strand
Wie ich später von einem Nachbarlieger in Born erfuhr, ist der Kran im Hafen ganz neu und wurde erst vor kurzem in Betrieb genommen.
Wustrow hat einen neuen Hafenkran (5 t)

Abendstimmung im Hafen Wustrow


Törndaten:
    Length 2D: 14.204nm
    Moving time: 04:09:42
    Stopped time: 00:05:56
    Max speed: 4.65kn
    Avg speed: 3.41kn
    Started: 2020-08-15 11:28:06+02:00
    Ended: 2020-08-15 15:48:52+02:00
 

Törn Wiek - Wustrow